Wie läuft eine Untersuchung vom Beckenboden ab?

Warum eine Untersuchung sinnvoll ist

Wenn der Rücken weh tut, gucken wir uns auch den Rücken an, schauen nach der Beweglichkeit und berühren in dem Bereich. So ähnlich ist es am Beckenboden, auch bekannt als "Beckenbodencheck": Wir wollen herausfinden, was los ist, und untersuchen deshalb an Ort und Stelle.

Für mich ist das Routine. Trotzdem ist jede Untersuchung neu, weil vor mir jedes Mal eine andere Person sitzt. Mir ist wichtig, dass du dich dabei sicher fühlst – auch wenn die Situation für dich ungewohnt ist.

Eine Untersuchung gibt dir und mir eine Einschätzung zu deiner Beckenbodenmuskulatur. Wir schauen, ob in Ruhe zu viel oder zu wenig Spannung (Tonus) vorhanden ist, wie sich der Beckenboden in Bezug auf deine Beckenorgane verhält, und ob es Schmerzen oder Narben gibt, außen oder innen. So wird auch dein Fortschritt im Verlauf der Therapie erkennbar.

Den Beckenboden im Körperinneren können wir von außen nicht sehen.

In der Praxis erlebe ich diese Situationen immer wieder:

  • Du bist ganz sicher, dass dein Beckenboden anspannt, aber eigentlich passiert gar nichts. Von außen ist oft erkennbar: Der Kiefer presst zusammen, der Bauch spannt an, das Becken bewegt mit – viel Bewegung, aber an der eigentlichen Stelle passiert nichts.

  • Du presst die Organe nach unten, statt sie hebend zu stabilisieren.

  • Du willst nach einer Anspannung loslassen, aber die Entspannung gelingt nicht – der Beckenboden bleibt angespannt.

  • Am Damm ist Bewegung erkennbar, die aber nicht mit dem Tastbefund von innen übereinstimmt.

  • Beckenbodenübungen verstärken deine Beschwerden, statt sie zu lindern.

In all diesen Fällen ist eine Untersuchung oder Therapie mit diesen Methoden sinnvoll – Tasten und Ultraschall sind dabei nicht nur Diagnostik, sondern auch Behandlungsmethoden.

Aufwand und Nutzen stehen dabei in einem guten Verhältnis: Schon eine Untersuchung kann einen Effekt haben, weil du endlich weißt, wovon wir sprechen. Das macht zum Beispiel Sinn, bevor du viele Stunden mit Spürübungen verbringst und am Ende merkst, dass du es doch falsch gemacht hast oder dass die Muskulatur fehlt. In manchen Fällen macht es aber auch Sinn, weiter mit den Untersuchungsmethoden zu arbeiten und sie in der Therapie zu nutzen. Da zeigt sich, dass ein alleiniger "Beckenbodencheck" an seine Grenzen stößt, weil Therapie notwendig ist.

Wie eine Untersuchung abläuft

Wie eine Untersuchung abläuft, hängt von deinem Anliegen ab und davon, was du dir vorstellen kannst. Ich schlage vor, welche Aspekte sinnvoll sind zu untersuchen – die Entscheidung, ob wir das so machen, liegt bei dir. Genauso kann ich empfehlen, eine Untersuchung zu verschieben oder nicht zu machen. Bevor wir mit interner Tastuntersuchung oder Ultraschall arbeiten, besprechen wir gemeinsam die Reihenfolge der einzelnen Schritte.

Eine Alternative zur Untersuchung ist der Spürauftrag: eine verbale Anleitung mit Spüraufträgen zum Beckenboden, bei der du deine Kleidung anbehältst. Wir schauen gemeinsam, wo du stehst, und was der Rest deines Körpers dabei macht. Das unterstützt den Zugang zum Beckenboden und ist nicht nur eine Ausweichoption, wenn eine interne Untersuchung oder Behandlung gerade nicht passt.

Vor einer internen oder Ultraschall-Untersuchung steht immer ein Sichtbefund am Damm – angezogen, aber ohne Unterhose. Davor kannst du entscheiden, ob du mitschauen möchtest oder nicht. Danach folgt ein äußerlicher Tastbefund, bei dem auch ein Sensibilitäts- oder Schmerzprovokationstest an den äußeren Genitalien möglich ist.

Je nach Anliegen folgt eine interne Untersuchung, rektal oder vaginal – im Liegen und/oder im Stehen. Der perineale Ultraschall wird ebenfalls im Liegen und/oder im Stehen durchgeführt, außen am Damm oberhalb des Anus. Hier wird nichts in den Körper eingeführt – ein guter Mittelweg zur internen Tastuntersuchung, allerdings nicht zu empfehlen, wenn du damit negative medizinische Erfahrungen assoziierst.

  • Du bestimmst das Tempo – nicht ich

  • Du kannst jederzeit sagen: Stopp, und das ist dann auch das Ende, ohne Erklärung

  • Es gibt keinen Druck, "es trotzdem zu versuchen"

Wann ich von einer Untersuchung/internen Behandlung abrate

Eine interne Untersuchung oder Behandlungsmethode ist freiwillig. Es gibt gute Gründe, sie nicht am ersten Termin durchzuführen oder ganz auf sie zu verzichten:

  • Wenn du an dem Tag einen existenziell bedrohlichen Stress erlebst

  • Wenn die Geschichte von sexualisierter Gewalt oder medizinischer Gewalt im Gespräch hochkommt

  • Wenn du beim Sprechen über die Untersuchungsschritte Widerstand spürst oder es dir nicht vorstellen kannst

  • Wenn du es nicht möchtest oder dich unwohl mit der Vorstellung fühlst

In diesen Fällen gibt es Alternativen: eine längere Vorbereitungsphase, oder erstmal eine Behandlung ganz ohne diesen Teil. Mögliche Kontraindikationen besprechen wir im persönlichen Gespräch. Eine Frage, die dabei oft kommt: Ist die Menstruation eine Kontraindikation? Nein.

Wie es gut ablaufen kann

Eine gute Untersuchung ist eine gemeinsame Sache. Ich brauche von dir vorher zwei Dinge: was du dir für die Untersuchung vorstellen kannst, und wie du mir ein Stopp oder eine Grenze mitteilst – verbal mit einem Wort, oder körperlich mit einer Geste oder einem Gesichtsausdruck. Du zeigst an, wenn es dir reicht – und wir hören auf.

Genauso kann ich sagen, dass es gerade nicht passt – aus den genannten Gründen, aus Zeitmangel, oder weil ich mich in seltenen Fällen selbst nicht wohl dabei fühle. Für mich kommt außerdem nicht infrage, dass du dich zur Untersuchung zwingst.

Die Entscheidung liegt am Ende bei uns beiden.

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Alle haben einen Beckenboden, auch du